Corona Krise: Arme am meisten gefährdet

Während wir in der Schweiz eine Kurzarbeit oder Arbeitslosengeld kennen, gibt es in Indien Hunderte Millionen Tagelöhner, die nicht bezahlt werden, wenn sie nicht arbeiten. Sie leben unter dem Existenzminimum, haben keine Ersparnisse und keine Altersvorsorge, auf die sie zurückgreifen können. Sie haben grössere Angst zu verhungern, als vor dem Coronavirus infiziert zu werden. Ja, die Regierung verspricht einzugreifen, um kostenlose Rationen essentieller Lebensmittel bereitzustellen. Wird es ausreichen? Kommt die Hilfe an?

Besonders in den Slums und in ländlichen Gebieten gibt es keinen Strom und kein fliessendes Wasser – sich öfters und mit Seife die Hände waschen ist da eine logistische & finanzielle Herausforderung! Aufgrund des Mangels an Informationen und Aufklärung über die Ausbreitung von Viren verstehen viele in den ärmsten Gegenden möglicherweise nicht, wie sich dieser unsichtbare Feind mit nur nur einem Handschlag ausbreiten kann.

Aufklärung über COVID-19 in einem Dorf in Indien

Während sich einige der weltweit besten Gesundheitseinrichtungen in den grössten Städten Indiens befinden, gibt es keine Gesundheitsinfrastruktur im ländlichen Indien. An diesen Orten gibt es keine Krankenhäuser oder Kliniken. Wer krank wird, hat kaum Überlebenschancen.

Indien ist allein aufgrund der Grösse und Dichte der Bevölkerung einem extrem hohen Risiko ausgesetzt. Unsere Gesundheitshelferinnen bringen Präventionsmassnahmen so schnell wie möglich in die Dörfer. Eine erste Ration Desinfektionsmittel, Masken und Medikamente für die Kliniken ist gekauft, reicht aber noch nicht aus. Helfen Sie mit, die Extra-Kosten zu decken? Danke für Ihre Solidarität mit den Armen in Indien.

Wir haben es geschafft!


„Vielen Dank, dass Sie unsere Klinik in Dharmapuri unterstützt haben! Mit Ihrer Hilfe, konnten wir ein neues Laborgerät kaufen, um mit Bluttests korrekte Diagnosen stellen zu können. Wir haben bereits unzählige Patienten behandelt, die auf diese Technologie angewiesen sind. Danke Schweiz!“

Dank Ihrer Spenden haben wir das Geld für die neue Labormaschine nun zusammen bekommen.  Was für ein toller Start ins neue Jahr!

Aus der Praxis

(Symbolbild, Name der Betroffenen der Projektleitung bekannt)

Tamilarasi ist 23 Jahre alt. Mit 18 Jahren hat sie ge­heiratet und zwei Jahre später starb ihr Mann an einer nicht-diagnostizierten Krankheit. Einige Jahre später begann sich Tamilarasi unwohl zu fühlen. Sie suchte Hilfe im öffentlichen Regional-Spital, wo ihr gesagt wurde, dass sie HIV-positiv sei. In grosser Angst kehrte sie Heim. Das Good Shepherd Team arbeitet mit der Regierung zusammen, um alle HIV-positiven Patienten zu kontaktieren. Als dieses Team die Ge­schichte von Tamilarasi hörte, reisten sie 80 Kilometer – was we­gen des unwegsamen Geländes eine Tagesreise war – bis sie zu ihrem Haus kamen. Sie fanden die junge Frau depressiv, zusammen mit ihrem Kleinkind im Bett liegend. Nach mehreren Besuchen wuchs das Vertrauen und die Seelsorgerin konnte sie fragen, wa­rum sie die Behand­lung vom Spital abgelehnt hatte. Sie antwortete:

„Als mein Mann starb, wusste ich nicht, dass er HIV-positiv war. Als ich erfuhr, dass auch ich infiziert bin, hatte ich ein­fach nur Todesangst.“

Unsere Mitarbeiterin teilte mit Tamilarasi ihre eigenen Erfahrun­gen mit dem HI-Virus und der Behandlung. Sie erklärte der jungen Mutter, dass die Di­agnose kein Todesurteil sein muss. Nach viel Ermutigung und Beruhigung hat Tamila­rasi zuge­stimmt, sich einer antiretroviralen Behandlung zu unterziehen. Sie besucht ausserdem die monatlichen Treffen, die in der Dharmapuri-Klinik für Betroffene ange­boten werden. Für diese Unterstützung und den Austausch mit anderen Betroffenen ist Tamilarasi dankbar und sie erhält die dringend be­nötigte medizinische Versorgung für sich und ihre Tochter. 

Welche Perspektiven eröffnen sich?

Wie zwei Lebensgeschichten mit ähnlicher Ausgangslage sehr unterschiedliche Wendungen nehmen, erzählt unsere Chef-Ärztin vor Ort:

Poornamma, knapp 18 Jahre alt, wurde kürzlich in unsere Arztpraxis gebracht. Die Gesundheitsarbeiterin erläuterte, es sei die dritte Schwangerschaft und Poornamma brauche Hilfe. Mit 12 Jahren verlor sie das erste Baby früh in der Schwangerschaft, das zweite kam tot zur Welt. Die Untersuchung zeigte nun ein Hämoglobin-Wert von 5g/dl, was sehr tief ist und ein Risiko für das Leben von Mutter und Baby darstellt. Froh, dass sie rechtzeitig zu uns kam, verabreichten wir ihr Bluttransfusionen um die Werte auf ein gesundes Niveau zu bringen.

Ihre Lebensgeschichte bewegt mich. Ihre Grossmutter war eine Jogini (Tempelprostituierte), der Vater verstarb früh und die Mutter, eine Landarbeiterin, hatte kaum genug zum Leben. So verheiratete sie die erste Tochter mit 14 Jahren und doch reichte es nicht, um Poornamma zu versorgen. So sah sich die Mutter gezwungen, das Mädchen mit 10 Jahren ins Sexgewerbe zu geben und so zum Lebensunterhalt beizutragen. Nun habe ich also dieses Teenager-Mädchen vor mir, hoch schwanger und ohne jeglichen Plan, was sie mit ihrem Leben anfangen soll, geschweige denn mit ihrem Baby.

Nachstellung einer Jogini Weihung eines jungen Mädchens.

Vor meinem inneren Auge sehe ich Manjula, die im ähnlichen Alter ist. Auch ihre Familien-Situation war eine ähnliche: die Grossmutter eine Jogini, die Eltern bitter arm und Manjula wäre als Jogini geweiht worden, hätte unsere Mitarbeiterin draussen im Dorf nicht interveniert. So kam sie zu uns ins Schutzhaus, absolvierte die Schule, ist nun Lehrerin in Nord-Indien und träumt von Bachelor und Master Abschlüssen! Ich bin so dankbar, konnten wir Manjula dieses Umfeld bieten.

Symbolbild

Poornamma hat inzwischen einen gesunden Jungen zur Welt gebracht. Sie ist auf ihren eigenen Wunsch hin ins Dorf zurück gekehrt. Unsere Mitarbeiterinnen besuchen sie regelmässig, unterstützen sie und machen ihr Mut einen Berufsbildungskurs bei uns zu besuchen.“

Armutssimulation

05.09.2019 bis 08.09.2019 | Emmental (3415 Rüegsauschachen)

Erlebnisse prägen stärker als Worte. Wir versetzen euch in eine andere Welt mit Schauspielern und einem authentisch eingerichteten Raum. Ihr könnt Armut hautnah erleben, wie sie zum Beispiel in Indien für viele Menschen real ist.
Seid ihr bereit euch für 90 Minuten auf Armut einzulassen?

Dank den Chai Geniesser-/Innen können 140 Kinder zur Schule!

Zwischen Januar und März wurde soviel Chai getrunken, dass wir 140 Kinder einen Monat zur Schule schicken können! Ganz herzlichen Dank den Hiltl Restaurants in Zürich und allen Chai-Geniessern!

Möchten Sie noch mehr bewirken?

Jede Spende leistet einen Beitrag, Hoffnung und Würde im Leben eines Kindes in Indien herzustellen:

«Endlich – nach 24 Jahren Herausforderungen in nicht einfachen Umständen – sprechen mich die Leute mit „Doktor Pari“ an. Dasselbe Mädchen, das einmal niedergeschlagen war, dasselbe Mädchen, das diskriminiert wurde, dasselbe Mädchen, das abgelehnt wurde, dasselbe Mädchen, das als unberührbar galt, ist dasselbe Mädchen, das jetzt hier steht. Ich bin nicht stolz auf mich, ich bin stolz auf die Leute, die dies ermöglicht haben. Ich bin sehr dankbar. Ohne Eure Unterstützung wäre ich jetzt nicht Doktor. Aber ich habe es endlich geschafft.»

Eine der ersten Absolventinnen der DFN Schulen

Hier Spenden

Wo wäre ich heute ohne die Schule?

Schüler berichten, wie Bildung ihr Leben veränderte

Wir haben bei einigen Schülern der 10. Klasse nachgefragt, wie sich ihr Leben durch den Schulbesuch verändert hat und wie ihr Leben aussehen würde, wenn es diese Schule nicht geben würde. Ihre Antworten stellen wir euch hier vor:

WAS WÄRE WENN…?

„Wenn es die DFN Schule nicht geben würde, wäre ich in ständiger Zwangsarbeit versklavt worden wie so viele meiner Angehörigen, die wahrscheinlich keinen Ausweg daraus finden werden. Jedes Mal, wenn ich meine Stammesangehörigen sehe, bin ich dankbar für diese einzigartige Schule, die eine gute englischsprachige Bildung anbietet wie keine andere Schule in unserer Umgebung.“

– Manish

 

 

 

„Meine Mutter wurde als Jugendliche verheiratet, weil sie den Dalits angehört, die an den untersten Rand der Gesellschaft gedrängt werden. Meine Cousinen sind ebenfalls in diese Notlage geraten. Die Mitarbeiter der DFN Schule haben sich sehr für mich eingesetzt und meine Eltern solange davon überzeugt, dass Bildung wichtig ist, bis sie bereit waren mich hier zur Schule zu schicken, damit ich eine bessere Zukunft haben kann. Die meisten Mädchen in meiner Familie und in meinem Verwandtenkreis haben diese Möglichkeit nicht.“

– Shanti

 

 

Wenn ich nicht auf die DFN Schule gehen würde, wäre ich in die Fussstapfen meines Vaters getreten und würde mit ihm zusammen ungelernte Feldarbeit verrichten. Ich würde die unwirtschaftlichen und unfruchtbaren Felder meines Vaters erben welches kaum Ertrag abwerfen und eine ungebildete Kleinbäuerin bleiben. Als Folge würde ich in großer Armut leben mit wenig Hoffnung, dort jemals herauszukommen. Stattdessen kann ich nun nach meinem Abschluss aus einer Vielzahl an Möglichkeiten für einen vielversprechenden Beruf wählen.“

– Madhuri

 

„Vom Kindergarten bis zu meinem baldigen Abschluss der 10. Klasse hat mir die DFN Schule eine gute englischsprachige Bildung vermittelt. Ich gehöre der Lambhada-Stammesgruppe an, die seit Jahrhunderten von sozialer und kultureller Ausgrenzung betroffen ist. Für meine Eltern wäre es daher finanziell nicht möglich gewesen, mich auf einer anderen vergleichbaren Schule als der DFN Schule zu unterrichten. Nach meinem Abschluss strebe ich eine hohe Position in der indischen Verwaltung an.“

– Ramesh

STATT AUSBEUTUNG UND ARMUT: HOFFNUNG, PERSPEKTIVE, WÜRDE

Die Geschichten der Schüler machen deutlich: Eine Schulbank bedeutet viel mehr als Unterricht, Prüfungen und lästige Hausaufgaben. Für ausgegrenzte und arme Kinder ist sie der Ausweg aus Unterdrückung, Armut und Ausbeutung. Unser Partner geht davon aus, dass 40 Prozent der Schüler in verschiedene Formen von Zwangsarbeit geraten würden, wenn es diese Schulen nicht geben würde. Sie leisten daher einen wichtigen Beitrag zur Prävention von Menschenhandel. Insbesondere für Mädchen sind die Schulen ein Ort der Geborgenheit, wo sie Schutz finden und vor Übergriffen sicher sind. Darüber hinaus wird den Schülern, die häufig in dem Glauben aufwachsen, sie seien unrein und wertlos, vermittelt, dass sie würdevoll und wertvoll sind. All das bringt diese Kinder und Jugendlichen zum Strahlen, weil sie spüren und begreifen, dass ein anderes Leben möglich ist. Ein hoffnungsvolles Leben mit Perspektive, ein Leben in Freiheit und Würde. Dafür machen wir uns stark!

Auch Sie können dazu beitragen, das Leben ausgegrenzter Kinder nachhaltig zu verändern. Mit nur 30 Franken ermöglichen Sie den Schulbesuch eines Kindes für einen Monat.

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Ich weiss wer ich bin

«Als Ranis Mutter ihr erstes Kind zur Welt brachte, war es zur allgemeinen Enttäuschung ein Mädchen. Als sie dann ein zweites Mädchen gebar, verwandelte sich die Enttäuschung der Grossfamilie in Verzweiflung.»

Die Existenz des zweiten Mädchens war eine solche Beschämung, dass ihr nie ein Name gegeben wurde. Erst nach einer Nahtoderfahrung (Vergiftung durch eine Tante), erhielt die namenlose Tochter im Alter von sieben Jahren endlich einen Namen: Rani.

Rani weigerte sich, ihr Geschlecht über ihr Schicksal bestimmen zu lassen. Ihr wurde gesagt, dass sie als Mädchen, nach der siebten Klasse mit der Schule aufhören müsse. Sie wusste jedoch, dass Bildung ihr helfen könnte, sich von der Diskriminierung und den Nachteilen, denen sie ausgesetzt war, zu befreien. Sie begann auf den Feldern zu arbeiten, um für ihre eigene Ausbildung zu bezahlen. Nach ihrem Abschluss lernte sie nähen und wurde Schneiderin und finanzierte sich so ihren Weg durch die Universität.

Heute hat Rani zwei Master-Abschlüsse. Rani weiss, wie hart es ist, als Mädchen in Indien geboren zu sein und hat ihr Leben der Aufgabe gewidmet, anderen Frauen zu helfen, die ebenfalls Ungerechtigkeit und Missbrauch ausgesetzt sind. Durch die Präferenz von Jungen, fehlen in Indien 63 Millionen Frauen und mehr als 21 Millionen gelten als ungewollt in deren Familien.

Von Alpträumen zum friedlichen Schlaf

Kalas Geschichte

Die sechsjährige Kala* wachte fast jede Nacht schreiend auf. Alpträume plagten sie immer wieder. Unfähig zu schlafen, zitternd vor Angst, fürchtete sich Kala jeden Abend schlafen zu gehen.

Aber das war noch bevor sie im Pratigya (Mädchenschutzhaus) wohnte.

Kala wurde als Dalit (Unberührbare) geboren. Ihre Eltern arbeiteten als Latrinenreiniger, sie beseitigten menschliche Exkremente von Hand. Eine demütigende und unmenschliche Aufgabe, bei welcher nicht mehr als 7 Rupien (10 Rappen) pro Tag erarbeitet werden können. Als gesellschaftlich Ausgegrenzte, waren ihre Eltern verzweifelt. Sie wollten unbedingt die Gunst ihrer Götter verdienen, in der Hoffnung, dass sich ihre Lebenssituation verbessern würde. Kala war ein hübsches Baby. Als die Dorfbewohner den Vorschlag machten Sie als Jogini den Göttern zu weihen, stimmten ihre Eltern zu.

Joginis werden einer Göttin geweiht wenn sie noch sehr jung sind. Das ist zwar illegal, aber dennoch ein weitverbreitetes Ritual in Teilen von Indien. Es handelt sich hier um ritualisierte Prostitution. Sobald eine Jogini ihre Pubertät erreicht, wird sie für jeden Mann in ihrem Dorf sexuell verfügbar. Ein Leben als Jogini ist fast unvorstellbar. Sexuell übertragbare Krankheiten sind weitverbreitet. Joginis können sich auch keine Fähigkeiten aneignen, mit denen sie ein Leben mit Würde führen könnten. Heute wird geschätzt, dass diese Form der Ausbeutung mindestens 250‘000 Frauen in Indien betrifft!

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Kala schien für dieses Elend bestimmt zu sein: Ausgeschlossen… Ungebildet… Ausgestossen… Ausgebeutet… Glücklicherweise kam es nicht soweit. Eine von unserer Anti-Menschenhandel Sozialarbeiterinnen erfuhr von Kalas bevorstehenden Weihe und intervenierte sofort. Gemeinsam mit mehreren Aktivisten im Dorf (darunter auch einige ehemalige Joginis) plädierte sie mit Kalas Eltern die Weihe zu stoppen. Sie einigten sich mit ihren Eltern darauf Kala an einen sicheren Ort zu schicken.

Heute lebt Kala im Pratigya (Mädchenschutzhaus). Unter der liebevollen Fürsorge der Hausmutter und ihrer DFN Schullehrer, ist Kala vom einen erschrockenen Kind zu einer selbstbewussten und engagierten jungen Frau erblüht. Sie hat Träume, aber keine Alpträume mehr. Heute träumt sie davon Lehrerin zu werden, zu heiraten und eine eigene Familie zu starten.  

Wir freuen uns, dass Kala vom grauenvollen Leben einer Jogini bewahrt wurde. Aber es gibt noch so viele die in dieser Ausbeutung gefangen sind. Lassen Sie uns Massnahmen ergreifen, um weitere Weihen zu verhindern.

Spenden Sie hier für unser Pratigya Mädchenschutzhaus 

Ob Gross oder Klein, mit Ihrer Spende helfen Sie Mädchen wie Kala.

Gemeinsam stoppen wir den Dalit-Menschenhandel!

  * Kalas Identität wurde zu ihrem Schutz geändert. Die Fotos sind von einer Nachstellung einer Jogini-Weihzeremonie.