Opfer werden zu Fürsprechern

Aastha* ist 14 Jahre alt und erzählt ihren drei Schulfreundinnen vom Plan ihres Vaters: «Er will mich aus der Schule nehmen und mich verheiraten.»

Ihre Freundinnen sind Töchter von „Joginis“ (Tempelprostituierten), die in unserem Mädchen-Schutzhaus wohnen und eine unserer Good Shepherd Schule besuchen. Ihre Mütter wurden als Kind einer Göttin geweiht und als Teenager in die rituelle Prostitution gezwungen. Eine zwar verbotene, aber immer noch praktizierte Tradition, ein toxisches Gemisch aus Aberglaube, kulturellem Druck und Armut das meist über Generationen hinweg weitergegeben wird. Unser Team vor Ort holt diese Mädchen aus ihrer misslichen Lage heraus und ermöglicht ihnen ein Leben mit Perspektive, Würde und Freiheit.

Die Reaktion der Freundinnen kommt postwendend: „Kinderheirat ist verboten! Geh mit Deiner Mutter zum Good Shepherd Team und lass Dich beraten.“ Die erste Generation, die aus dem System ausbrechen kann, ist bereits zu Fürsprechern geworden, junge Frauen mit Mut! Unser Team erarbeitet eine Lösung mit der Familie, damit Aastha in der Schule bleiben kann.

* Name geändert

Bildung brachte die Wende

Saroja war 3-jährig, als ihr Vater die Familie verliess. Als Analphabetin war es ihrer Mutter nur möglich, einfachste, schlecht bezahlte Jobs auszuüben. Ihr mageres Einkommen reichte knapp um sie über Wasser zu halten. Sie lebten mit der Grossmutter in der Ceylon-Gegend in Sivakasi. Tagsüber trieb sich Saroja durch die Gegend, wie es ihr passte – der Grossmutter gehorchte sie nicht. Das machte der Mutter zwar grosse Sorgen, aber die Arbeit lies es nicht zu, etwas dagegen zu tun.

Sarojas Mutter machte ihr Schicksal dafür verantwortlich, dass sie nie zur Schule konnte und somit keine gut bezahlten Jobs erhielt. Und doch hoffte sie auf eine bessere Zukunft für ihre Tochter. Sie hoffte, Saroja könnte einmal zur Schule gehen und eine gute Schülerin sein!

„Ich kann meine Freude nicht in Worte fassen!“ Saroja.

Der Tag kam, als Saroja sich für die Good Shepherd Schule anmelden konnte. „Ich lernte so viel während meiner Schulzeit!“ erinnert sich Saroja, jetzt mitte Zwanzig. Ihr Traum war, Lehrerin zu werden – genauso wie ihre Lehrerinnen an der Good Shepherd Schule.

Sie durchlief genau diesen Ausbildungsweg und wusste, dass sie den Ärmsten und den Verletzlichen in ihrer Heimat etwas zurückgeben wollte. „Ich konnte mir nichts Besseres vorstellen, als dies an der Good Shepherd Schule zu machen!“ Jetzt ist sie genau an ihrer eigenen Grundschule Lehrerin, da wo sich ihr Leben zum Guten gewendet hat, und investiert sich in Andere. „Ich kann meine Freude nicht in Worte fassen!“ sagt Saroja, „Nun ist nicht nur meine Familie glücklich und endlich finanziell unabhängig,  auch habe ich jeden Tag das Privileg, diese Kinder mit ähnlichem Leid und Hintergrund zu unterrichten.

Dank Ihrer Unterstützung können Kinder wie Saroja zur Schule. Danke!